Ich würd‘ mich: Warum wir uns alle ein bisschen geil finden sollten

Vielleicht bin ich etwas spät dran, aber ich würde mal echt gern ein fettes Throwback an 2017 „rausshouten“. An das Jahr in dem ich endlich gelernt hab, mich richtig geil zu finden. In dem ich mich plötzlich vor meinem Spiegel wiederfand und mir dachte „Heasd, eigentlich schaut dein Arsch nicht einmal so oag breit aus und deine Hüften machen einen ultra schönen Bogen runter und bilden eine großartige Kurve dabei! Ohaaaa, seit wann hab ich so eine schön geformte Taille?!“ Da hats‘ dann plötzlich Klick gemacht. Einfach so, wie aus dem Nichts kam mir der Gedanke:

Ich würd‘ mich!

Und dieser Grundgedanke hat auf einmal alles verändert.

Zum Beispiel, dass ich nach dem Aufstehen beim ersten Anblick meines versifften, ungeschminkten Ichs nicht mehr in Ohnmacht fall‘. Sondern mich anschau‘ und dabei entschlossen denk‘: „Okay, heute gehst du mal ohne Make-Up raus!

Und das is‘ er, dieser Moment, wenn du dich freust, dass du in letzter Zeit nicht mehr so viel Schokolade gefressen hast und dadurch deine Haut mega rein ist. Der Moment, in dem du deine Haare betrachtest und stolz auf dich bist, weil du nicht zu faul warst jedes Mal Kokosöl in deine trockenen Spitzen zu massieren, damit sie genau an so einem ungeschminkten Tag unglaublich gesund aussehen.

Ja, in so einem Moment schaust du dich an, lächelst und denkst dir: „Fuck, eigentlich schaut dein Mondgesicht ohne zugekleisterter Fresse auch ganz süß aus!“ Ich glaub‘ in genau so einem dieser Momente hab‘ ich mich endgültig in mich selbst verliebt.

Und so steh‘ ich dann am selben Tag ungeschminkt im schrecklichen Umkleidekabinen-Licht des New Yorkers, in einem viel zu engen Croptop, mit einer am Po kneifenden Jeans vorm Spiegel und sag‘ zu mir: „Wieso kannte bisher niemand deinen Bauchnabel?“ Dabei dreh ich mich noch dreimal im Kreis und betrachte mich von allen Seiten. „Es wird an der Zeit, dass ihn alle mal kennenlernen!, schießts mir dann durch meinen Kopf, während ich selbstbewusst mit meinem neuen Croptop im Sackal aus dem Geschäft spazier‘.

Fakt ist jedoch, dass ich die Schnauze voll hab‘ von diesem „Liebe dich selbst-Gelaber“. Ich will rohe, schmutzige Selbstliebe. Die Art von Zuneigung bei der ich anfange mit mir selbst zu flirten, weil es genug Momente in meinem Leben gab in denen es niemand sonst tun wollte. Mir selbst Komplimente mache, die ich mit einem gespielten spanischen Akzent ausspreche, wenn ich ein neues Outfit ausprobier‘: „Ay, Mami! Du bist heiß wie Feuer!“ Danach noch ein bisschen Catwalk-Feeling in mein Zimmer bring, während ich „This Girl is on Fire“ von Alicia Keys gröle, über meinen Teppich stolziere und fast über meine eigenen Füße stolper‘.

Das ist die Art von Selbstliebe die wir alle brauchen. Diese Begierde, die meine Mitmenschen in Verlegenheit bringen könnte. Die High fives, die ich mir regelmäßig innerlich gebe, wenn ich von Menschen Abstand nehme, die eher meine Zeit verschwendet haben als sie irgendwie zu prägen. Ich es geschafft habe mein Lieblingslied ohne Fehler zu rappen oder mich wie ein Gangster mit Sonnenbrille ins Auto setze und mich unglaublich cool fühl‘.

In sich selbst verliebt zu sein heißt aber auch, ganz oft mal NEIN zu sagen. NEIN, zu unnedigen Vollidioten. NEIN, zu low-fat-Produkten, weil sie einfach Scheiße schmecken und NEIN zu irgendwelchen Kommentaren von Personen, die mich nicht mal ansatzweise kennen.

Es war ein unbeschreibliches Gefühl von Freiheit, als mir klar wurde, dass meine neue Einstellung und Sichtweise auf meinen Körper, sowie Persönlichkeit so viel bezwecken kann. Eigentlich schade, dass ich mich jahrelang so gehasst hab‘, anstatt es in die Welt zu schreien wie unglaublich leiwand ich mich find‘.

Um endlich zu der Pointe dieses Blogeintrags zu kommen: All‘ die Dinge, die wir an uns verändern, sollten wir für uns selbst tun. Wir sollten aufhören uns andauernd mit irgendwelchen Victoria’s Secret-Models zu vergleichen, wenn wir uns mit ner Packung Chips auf der Couch auch ziemlich wohl fühlen, weil wir ganz genau wissen, dass wir zu faul sind 20 Kg abzunehmen, um wie Candice Swanpoel durch die Welt zu schweben.

Dass die Joggingrunde zu der wir uns einigermaßen überreden konnten, nicht automatisch dazu dient unsere Fettpölsterchen zu reduzieren, sondern weil wir einfach Lust dazu hatten unseren Körper in etwas Action zu sehen. Und ja, wir uns für diesen scheinbar unerreichbaren Job bewerben, obwohl die Chancen ziemlich beschissen stehen, dass wir die Stelle bekommen. Warum zur Hölle sollten wir es nicht versuchen?

Genau so wie wir uns selbst wahrnehmen, nehmen uns unsere Mitmenschen auch wahr – aber natürlich alles in Maßen , bitteschön! Deswegen ist es okay uns selbst ein bisschen „geil“ zu finden. Es ist auch absolut in Ordnung uns in einigen Dingen besser einzuschätzen als manch‘ andere, solange wir nicht zu einem narzistischen Idioten werden.

Sei dein eigener größter Fan, Verehrer und Freund, dann geht alles andere von selbst.

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Pseudoreligiös: Auf Social Media halal im Real Life haram

Ich möchte diesen Blog mit einer prägenden Erfahrung aus meiner Schulzeit einleiten: Als ich in der ersten Handelsakademie war, hatte ich mich dazu entschlossen den islamischen Religionsunterricht zu besuchen. Anfangs total aufgeregt und neugierig, war mir schon nach der ersten Einheit klar, dass ich dort nicht mehr hingehen will. Abgesehen davon, dass jede Unterrichtsstunde ein und dasselbe behandelt wurde: Gott ist toll und nur, wenn du betest. kommst du in den Himmel. Homosexuell wird man nur, wenn man eine schreckliche Kindheit hatte und es gehört sich nicht die Dinge zu viel zu hinterfragen etc. Hatte ich mich aber oft mit der Frage beschäftigt wie man ein guter Mensch sein kann und, ob ich denn wirklich nur durch beten oder fasten „gut“ werde.

Ich kann mich erinnern, dass am Ende des Semesters die Frage gestellt wurde wer von uns Schülern im Ramadan fastet. Alle Schüler zeigten auf – alle bis auf mich. Danach begann ein regelrechtest „Fastenshaming“.

„Wieso fastest du nicht?“ – „Weil bei mir niemand in der Familie fastet und ich Kreislaufprobleme habe.“ – „Ahja, aber, wenn du anfängst, dann wird es dir deine Familie gleichtun!“ – Stille meinerseits.

Abgesehen davon, dass man aus gesundheitlichen Gründen auf das Fasten verzichten darf, wurde ich von den anderen Mitschülern wie ein Alien angestarrt. Doch das war noch lange nicht das Schlimmste an dieser einen Unterrichtsstunde.

Es war, als alle Schüler die Klasse verlassen durften, alle außer ich. Mir hatte mein damaliger Lehrer nach Unterrichtsschluss noch einreden wollen, dass ich so schnell wie möglich anfangen soll zu fasten, um ein guter Mensch zu werden und damit meine Eltern ENDLICH einmal in ihrem Leben richtig stolz auf mich sein können. Ich glaube genau in diesem Augenblick hatte ich den Glauben an Religion und Gebeten endgültig verloren. Ich weiß noch, dass ich total verheult zu meinem Spind gelaufen bin, da ich mir sicher war, dass ich ein schlechter Mensch bin. Heute weiß ich, dass das nicht ganz richtig ist.

Denn es gibt wesentlich schlimmere Personen als mich und genau hier beginnt mein Grant: Mein Grant gegen all‘ diese selbsterkorenen „Supergläubigen“, die denken, dass sie durch ihren Verzicht auf Essen und Trinken im Fastenmonat automatisch ins Paradies kommen. Die denken, dass der in arabisch verfasste Satz „Gott ist groß“ in ihrer Instabio jeden vergessen lässt, dass sie zwei Wochen davor in ’nem Club auf die Tanzfläche gekotzt hatten. Sie kein Schweinefleisch essen, weil „Bruder, ich bin Moslem“, aber jede zweite „Ungläubige“ auf ihrer Autorückbank weghauen.

„Gute Leute“, die alles mit „mashallah“ und „inshallah“ kommentieren, aber in der Arbeit mal 50 Euro aus der Kasse klauen. Personen, die mir weismachen wollen, dass ich kein guter Mensch bin, weil ich nicht faste, Alkohol trinke oder nicht bete, aber über jeden urteilen und hinterrücks reden, sobald sich ein „Freund“ auch nur zwei Meter entfernt hat. Ganz genau solche Experten sind für mich die größten Sünder überhaupt. Ja, ich bin ebenfalls absolut nicht in der Position über andere urteilen zu dürfen, aber warum dürfen dann solche Menschen über mich urteilen? Dieses ewige Religionsgequatsche in den letzten Jahren – egal, ob es sich auf den Islam bezieht oder nicht – ist einfach nur mehr lächerlich.

Ganz ehrlich: Ein religiöses Tattoo, einmal fasten im Jahr oder der Besuch des Gebetshauses macht es nicht besser, dass du den Rest der 365 Tage ein heuchlerisches Arschloch bist.

 

Friendship paused: Wenn Beziehungen den Freundeskreis zerstören

Dass Beziehungen nicht unbedingt einfach sein können, ist definitiv kein Geheimnis. Dass es aber absolut ungesund ist eine übertriebene Obsession für sein Gegenüber aufzubauen, sollte auch keines sein. Vielleicht bin ich hier etwas anders gestrickt, aber was hat es mit dieser „du darfst/darfst nicht“-Sache in Beziehungen auf sich? Ich versteh‘ schon, dass man in einer Partnerschaft bestimmte Kompromisse eingeht, aber Verbote sind für mich hier fehl am Platz. Außerdem sind meine Eltern die Einzigen, die mir etwas verbieten können – nur, dass das mal gleich klar ist.

Nehmen wir als Beispiel, dass man seinem Freund oder seiner Freundin verbietet in den Club zu gehen. Äh, What? Ich mein es tut mir echt leid den meisten von euch diese Nachricht so zu überbringen, aber – wenn man fortgeht, dann geht es in erster Linie nicht immer darum jemanden zum Flachlegen zu finden?! Paar Drinks kippen, auf dem Dancefloor abshaken und um 5 in der Früh Happy Noodles mit meinen Mädels essen, ist auf jeden Fall ein gelungener Abend. Ganz ohne Männer und deren Geschlechtsteile. Es ist mir schon klar, dass man meistens mit seinem Partner lieber zuhause auf der Couch rumhängt und Serien streamt, anstatt sich jedes Wochenende einen reinzustellen. Das würd ich persönlich auch nicht so mega leiwand finden. Doch Freunde sind so wichtig und auch, wenn es nur ein Treffen auf nen‘ Kaffee oder so ist, welches man ALLEINE – also ohne seiner besseren Hälfte ausmacht, ist das absolut okay!

Worauf ich hinaus will ist, dass man in einer Beziehung trotzdem noch ein separates Individuum bleiben soll. Mit eigenen Hobbies und eigenen Freunden. Wenn ich mal hör‘, dass in Beziehungen, Männer oder Frauen sagen, dass ihre Partner sich nicht mehr mit ihren Freunden treffen dürfen, dann krieg ich echt solche Kabeln! Sowas ist für mich einfach nicht akzeptabel. Ich hab einfach das Gefühl, dass sich viele Personen in Beziehungen verlieren und ohne ihren Partner absolut nichts mehr machen wollen. Es ist doch schön, wenn man happy in love ist, aber bitte, bleibt ein eigenständiges Lebewesen. Es ist nicht schlimm ohne euren Schatz und Hasepups rauszugehen, das habt ihr vorher auch gemacht.

Apropos eigene Freunde: Oh, wie ich es liebe, wenn Männer und Frauen in Beziehungen gehen und sich dann nicht mehr bei ihren Freunden blicken lassen. Sie hören dann quasi auf zu exestieren: „Hey, hast du in letzter Zeit was von -name einfügen- gehört?“ – „Ne, er/sie ist ja jetzt in einer Beziehung!“

Echt jetzt, wieso machen Leute das? Vielleicht ist es mega unromantisch, wenn ich sowas als vergebene Frau schreibe, aber es gibt für mich eine Grundregel, die ich für immer verfolgen werde:

Beziehungen können für ’ne Weile halten, aber Freundschaften halten meist ein Leben lang!

Wie gesagt, vielleicht nicht gerade gefühlvoll, aber immerhin ehrlich. Ich find‘ dann diesen „Booty-Call“ bei den Freunden noch schlimmer: „He du, wie gehts? Hast mal wieder Bock was zu machen?! – Bin ja jetzt wieder Single und hab Zeit.“ Oida, bitte grab‘ dich ein.

Beziehungen sind was großartiges! Doch unsere Freunde sind meistens diejenigen, die uns auffangen, wenns mal Streit gab. Wenn wir über Dinge reden wollen, die unser Partner vielleicht nicht ganz nachvollziehen kann. Oder, wenn wir mal wieder Single sind.

Egal, was es auch sein mag: Vergesst nicht euren Freundeskreis, denn dieser ist die Familie, die ihr euch aussuchen könnt.

ShortStory: Bahnsteig 2

Sie ging die Treppen des Bahnsteigs hinauf und spürte wie die kalte Luft ihre Wangen rot verfärbte. Ihre viel zu hohen Stiefel klapperten unter jedem Schritt, den sie setzte. In ihrem Kopf entstand eine Melodie dazu und so konzentrierte sie sich darauf um nicht über ihre eigenen Füße zu stolpern: „klick, klack, klick, klack!“ Innerlich verfluchte sie sich selbst, da ihre Füße schmerzten und es nicht lange dauern würde bis ihr Gesicht den Boden küsste – aber hey, sie sah zumindest gut aus. Es ertönten die Lautsprecher und eine Durchsage wurde gemacht „Railjet 7638 zehn Minuten verspätet! Wir bitten um Verständnis.“
Verständnis? Sie musste kurz schnaufen als sie dieses lächerliche Wort hörte. Wer zur Hölle hat heutzutage noch Verständnis? Ihre Augen füllten sich erneut mit Tränen und sie blinzelte sie schnell weg. Sie setzte sich auf die freie Bank und schlug ihre Beine übereinander. Ihre Füße schmerzten immer noch, aber zumindest lenkte es sie vom Schmerz in ihrer Brust ab. Zwei Wochen sind mittlerweile vergangen seitdem Funkstille zwischen ihr und ihm herrschte. Es ist generell zwischen ihnen abgekühlt. Keine Liebesschwüre mehr, keine Fb-Posts, keine verschlafenen Guten-Morgen-Anrufe. Eigentlich hätte sie ihn ja schon längst stehen lassen sollen, doch wie lässt man das wertvollste Geschenk einfach so stehen? Ihr wurde schlecht als sie daran dachte, dass er ihr jeden Moment über den Weg laufen könnte. In dieser gottverdammten Stadt war es auch nicht besonders schwierig jemandem zu treffen, den man absolut nicht sehen will.

Doch sie und ihr kaputtes Herz wussten beide, dass sie ihn sehen wollten. Mit seinen zersausten Haaren und Schlafzimmerblick, der sie jedes einzelne Mal in Verlegenheit brachte.“Fuck“, dachte sie sich, während sie nach ihrem Feuerzeug kramte. Sie hatte es mal wieder Zuhause vergessen. Die einzige Droge, die ihr nach ihm noch blieb war Nikotin und nicht einmal die konnte sie genießen. „Du musst mich echt hassen“, sagte sie zu sich selbst und schaute nach oben in den bewölkten Himmel. Falls es einen Gott gab, dann war er wohl auch ziemlich angepisst. Kein Wunder, denn wer ist so dämlich und läuft seinem Unglück dreimal in die Arme. Nein, sie war eigentlich kein dummes Mädchen, doch sie genoss es ihre Fehler drei- bis fünfmal zu wiederholen. Nur um sicherzugehen, dass es wirklich ein Fehler war.

Genau dasselbe tat sie bei ihm und welch‘ Wunder, es hatte mal wieder nicht geklappt. „No shit, Sherlock“, flüsterte ihr Gewissen als sich ihre Augen wieder feucht wurden. „Hör‘ auf zu flennen, glaubst du ernsthaft er hat auch nur eine Träne wegen dir vergossen?“ Ihr abgefucktes Gewissen hatte recht. Kein Wunder, dass er sie nicht mehr wollte, da sie ja nicht mal sich selbst ausstehen konnte. Doch so mies war sie ja eigentlich nicht, denn für ihn hat sie verdammt viel getan. Zum Beispiel hatte sie diese viel zu hohen Stiefel gekauft um sich weiblicher zu fühlen. Sie war schon immer auf seinen Style neidisch und wollte sich nicht mehr wie ein pubertierender Junge mit Jeans und Shirts anziehen. Sie wollte ihn unbedingt beeindrucken.

Ein kalter Luftzug schreckte sie aus ihren Gedanken auf und sie sah ihren Zug in die Station einfahren. Sie stand auf und ging in ihren unbequemen Schuhen zum ersten Wagon. Ihr Körper trug sie zu einem Fensterplatz, während sich ihr Gehirn immer mehr in ihrer Gedankenwelt verlor. Sie beobachtete die Menschen, die neben ihrem Fenster am Bahnsteig entlang gingen. „Warum hast du dich selbst so verraten?“, schoss es ihr durch den Kopf. Hat sie das? Kann es sein, dass sie ihre wichtigste Regel gebrochen hatte? Sich nie für einen Mann zu ändern?

Das hatte sie. Ja, Regeln sind meist da um sie zu brechen, doch diese war gewiss nicht eine davon. Sie starrte auf ihre Stiefel und fing an zu weinen. Was hatten ihr diese scheiß Stiefel schon gebracht, außer ihre Füße mit Blasen zu schmücken und ihre vermeintliche Liebe ihres Lebens zu verlieren. „Absolut gar nichts“, flüsterte ihr Gewissen zurück. Der Zug fuhr los und ihre Tränen kullerten ihre Wangen herab. Ihre Haut brannte und das erste Mal seit langer Zeit war es ein Gefühl, dass sie als echt empfand. Kein Fake, keine Lügen, das war sie. Verheult im Zug.

Sie dachte an ihr erstes Treffen mit ihm zurück, als sie in Airmax, zerrissenen Jeans und Lederjacke auf ihn wartete. Da war sie noch sie selbst und absolut sicher ihn auch mit flachen Schuhen und ihrer Persönlichkeit beeindrucken zu können. Es hat ja auch geklappt, doch irgendwann zwischen den tausend Diskussionen und schlaflosen Nächten hatte sie sich selbst verloren. Sie wollte es unbedingt retten. Diese Sache mit ihm, was auch immer es war. Doch er hatte sich nie bemüht sie zu halten. Jedes Mal, wenn sie ging, kam sie schlussendlich selbst zu ihm zurück – ohne, dass er auch nur mit der Wimper zucken musste. Er hatte sie nie geschätzt, sich nie gefreut, ihr nie gezeigt, dass er sie genauso will wie sie ihn. Sie sah ihr verheultes Gesicht in der Fensterscheibe des Zuges und aus Trauer wurde Wut. „Scheiß auf ihn“, sagte sie zu ihrem Gewissen, während sie sich ihre nassen Tränen aus dem Gesicht wischte und ihre Mascara sich quer über ihre Wangen verschmierte.

Sie war sich sicher: Das nächste Mal würde sie in Airmax vor ihm stehen und verdammt gut darin aussehen.

Liebe oder so

Ich glaub‘ es gibt verschiedene Arten seine Liebe zu zeigen. Ja, man kann natürlich 100 mal am Tag sagen, dass man seinen Partner liebt – ist das aber wahre Liebe? Ich denke nicht. Denken wir doch mal daran zurück wie oft uns jemand gesagt hat, dass er/sie uns liebt und 2 Tage später werden wir beschissen. Jap, hurts like a bitch.

Deshalb glaub‘ ich, dass Liebe in kleinen Portionen kommt. Zum Beispiel in einem Danke, weil man zum Frühstück Pancakes gemacht hat & jetzt zwar wie ein Pfannkuchen auf zwei Beinen riecht, doch die Dankbarkeit seines Partners das alles wert ist. Wenn dein Partner dich ansieht als ob du ein Lotto Sechser wärst, obwohl du gerade erst aufgewacht bist. Er dir sagt wie unglaublich süß du bist, wenn du dich über Sachen aufregst und zu einem Mini-Hulk mutierst. Er sich jedes einzelne Mal dein Rumgeheule über deinen Job/Uni/Probleme anhört & dich jedes einzelne Mal tröstet.

Deine Hand hält, auch wenn dir mal nicht danach ist. Ihr stundenlang im Mci zu ner‘ Cola & Pommes ablachen könnt & es keine schönere Abendgestaltung an einem Freitag gibt. Ihr euch gegenseitig euer Lieblingsessen kauft & damit überrascht oder random abschmusts, einfach so – ohne Grund.

Ich glaub‘ Liebe kommt in so viel mehr als nur 3 Wörtern, die irgendwann jemanden nichts mehr wert sein werden. Liebe kommt in einem Versprechen, dass man füreinander da ist, nicht ohne den anderen die angefangene Netflix-Serie weiterschaut oder mal Sachen für den anderen tut, die euch alleine nie in den Sinn gekommen wären.

Liebe kommt nicht in teuren Geschenken, Blumen und Abendessen in schicken Restaurants. Liebe ist, wenn du dir dein Gegenüber ansiehst & dich fragst, was du denn so großartiges vollbracht hast, um ihn oder sie zu verdienen.

Mein Leben als Teilzeit-Atheistin

Reden wir doch mal über Religionen. Nicht, weil in letzter Zeit viel zu wenig darüber geredet wurde, sondern weil es mich zum Teil mega aufregt. Dieses „ich hab diesen und jenen Stempel auf der Stirn, weil ich dieses und jenes glaube“-Getue geht mir so richtig auf meinen imaginären Sack. Okay halt, er ist nicht imaginär – hab doch manchmal ’nen größeren Sack als manch andere. (Sorry not sorry for bashing).

Der eigentliche Grund warum ich das hier schreibe ist, dass mich Leute aufgrund meines Glaubensbekenntnisses bewerten. Leute, die zuerst mit mir abhängen, Witze machen, über ihr Liebesleben quatschen und mal mit ’nem Spritzer mit mir anstoßen. Das sind diese Leute, die dann den nackten Horror in ihren Augen haben, wenn sie herausfinden, dass ich eigentlich Muslima bin.

There I said it.

Ich hab im Glaubensbekenntnis beinhart Islam drinstehen. Krasser Scheiß, oder?

Wenn sich ihr Blick mit der totalen Leere füllt und du in ihren Pupillen ein ganz kleines „HILFE HC STRACHE“ erkennst. Dann geht der Spaß erst richtig los. Nicht, weil sie mir dann islamophobe Parolen an den Kopf werfen, sondern plötzlich Abstand nehmen. Sie betrachten mein Spritzerglas, starren meine Haare an und stammeln: „Aber, aber .. du siehst doch gar nicht so aus! ..“

Ja, ich seh‘ eben so aus wie jeder andere Mensch auch. Aber was die meisten Menschen vergessen ist, dass es auch viele Muslimas gibt, die kein Kopftuch tragen, perfekt Deutsch sprechen und sehr gebildet sind. Ich hab‘ oftmals dieses Gefühl, dass wir mittlerweile einen Prototyp für diese Glaubensbekenntnis erschaffen haben. Besonders in Bezug auf die weiblichen Exemplare.

Und nun kommt meine Ansicht dazu: Ich bin nicht sehr gläubig, aber ich bin was ich bin. Das inkludiert eben auch die Religion meiner Familie und die Bräuche mit denen ich aufgewachsen bin.

Deshalb ist es überaus wichtig, dass ihr mich nicht als „cool“ oder „total integriert“ bezeichnet, weil ich gern Alkohol trinke und fortgeh‘. Redet nicht abwertend über andere Menschen, die sehr religiös sind, nur weil ich es nicht bin. Fragt mich nicht, ob ich nicht auch finde, dass das Kopftuch ein Symbol der Unterdrückung ist. Das ist ein absolutes No-Go. 

Es ist in erster Linie ein religiöses Symbol und steht für viel mehr als für das „ruhig halten der schwachen Frau“. Sehr viele Mädels tragen es, weil sie es für sich selbst bestimmen, weil sie sich damit wohl fühlen und stolz darauf sind. Sie sind modern, sie sind stark und alles andere als eingeschränkt. Der Aspekt des Zwangs ist hier oftmals auf den Bildungsstand zurückzuführen. Ergibt doch Sinn, oder? So ist es auch mit der Toleranz, je gebildeter ich bin, desto besser kann ich Dinge oder Situationen tolerieren – auch, wenn ich mega dagegen bin.

Nur weil man etwas toleriert, bedeutet dies nicht, dass man es akzeptiert!

Ich zieh‘ immer wieder meinen Hut vor Personen, die ihre Kraft und Lebensfreude aus ihrem Glauben zu Gott schöpfen. Ich find‘ es schön, wenn jemand glücklich ist, weil er mit sich selbst im Reinen ist und nach Regeln lebt, die seiner Meinung nach genau richtig sind. Ich kann dies eben nicht.

Ich möchte mein Leben nicht nach einem Buch richten, welches vor hunderttausend Jahren geschrieben wurde und ich denke ich bin mit dieser Einstellung nicht alleine. Denn in jeder Religion gibt es Menschen, die zwar spirituell sind, jedoch nicht religiös.

Ich glaube an Karma, ich glaube daran, dass alles aus einem bestimmten Grund passiert, aber am stärksten bin ich davon überzeugt, dass wir alle gleich sind.

Denn seien wir uns doch mal ehrlich: Im Prinzip glauben wir doch eh alles dasselbe. Nur in anderer Ausführung und Verpackung. 

 

ShortStory: Motorgeflüster

Februar. 23 Uhr. Zwei Personen in einem Wagen. Eine Sie und ein Er. Der Motor wurde abgestellt und im Wind rascheln leise die kahlen Äste der Bäume. Sie weint, Er schweigt.

Ich kann das nicht mehr“, sagt Sie. „Ich ertrag‘ deine Art nicht mehr. Dieses endlose von dir wegschieben. Du willst mich nicht mehr.“ Er schweigt immer noch und sieht aus der Fensterscheibe seines Autos. Er betrachtet den Vollmond und die sternenlose Nacht, während ihr Schluchzen die Stille füllt.

Sie sagt ihm, dass Er ihr weh tut, dass die letzten Monate umsonst waren. Liebe ist nicht einfach, das wusste Sie schon immer. Besonders, wenn die Schmetterlinge im Bauch sich in schwere Steine verwandeln, die einen immer weiter in den Abgrund ziehen. Wenn jedes Wort, welches man spricht auf eine Waage gelegt wird und man doch eher mit einer Wand, anstatt einer Person spricht – dann tut Liebe erst richtig weh. Sie wusste es. Sie wusste es die ganze beschissene Zeit über, aber Sie ließ ihn nie deswegen los. Ihre Tränen laufen immer schneller über ihre Wangen. Alle Dämme sind aufgebrochen. Alle verborgenen Emotionen, Aggressionen, Enttäuschungen, es lodert wie ein Feuer in ihr auf, doch bricht an der Oberfläche in Form von salzigen Wasser aus.

Das Schlimmste ist, dass ich weiß, dass du mich gehen lässt. Ich werde aus diesem Auto steigen. Ich werde bis zu meiner Haustür gehen und du wirst mich gehen lassen“, sagt Sie und tupft ihre nassen Augen ab. Sie ist müde, kraftlos, einfach leer. Sein Schweigen bringt Sie innerlich um, doch Er kann nichts darauf sagen.

Was soll Er auch sagen? Dass Er ein Idiot ist? Dass Er weiß, dass Er Scheiße gebaut hat, doch unfähig ist Sie zu trösten? Er will Sie ja glücklich machen, doch wie soll das funktionieren, wenn Er selbst nicht glücklich ist? Er sieht Sie an und wendet den Blick wieder ab. Er kann Sie einfach nicht so sehen – gebrochen und verzweifelt.

Wäre Er ein toller Kerl, würde Er seinen Arm um Sie legen – doch das tut er nicht. Er weiß, dass Er kein toller Kerl ist. Er weiß, dass er nicht mal ansatzweise der Kerl sein kann, der Sie auf Händen trägt. Ihr dauernd Komplimente macht oder Sie nicht als selbstverständlich sieht. Er ist der Klotz an ihrem Bein, der Sie davon abhält Liebe zu finden.

Sie hat aufgehört zu weinen. Ihre Wangen sind übersät von eingetrockneten Salzwassertropfen und verschmierter Mascara. „Ich geh‘ jetzt“, sagt Sie und öffnet die Beifahrertür. Sie dreht sich nicht mehr zu ihm, Sie will nicht noch mehr Demütigung erleiden. Sie schlägt die Autotür hinter sich zu und setzt einen Schritt vor den anderen. Langsam. Innerlich wartet Sie noch auf ihn, Sie hofft, dass Er gleich aus dem Wagen springt. In ihren Gedanken läuft Er ihr nach, sagt, dass er Sie liebt. „Ich kann dich nicht gehen lassen, niemals!“, schreit Er und küsst ihre kalten Lippen.

Genau so würde es sein. Dieses Happy End, welches Sie sich so sehr wünscht. Sie geht, Schritt für Schritt, immer weiter Richtung Haustür. „Lass mich nicht gehen,“ denkt Sie sich und füllt ihre Augen erneut mit Tränen.

Er startet den Motor.

´Ne Schnapsidee ohne Alk

Ich weiß, ich weiß. Ich hab‘ gerade denselben genervten Blick aufgesetzt wie du. Oh nein, da ist sie. Schreibt hier etwas über „einen sehr individuellen Blog“ und die Tatsache, dass der so „gar nicht 0815“ ist.

Okay, Fakt ist, dass mein Blog nicht irgendwie besser oder schlechter sein wird als andere. Es wird eben ein Blog sein, der von mir verwaltet wird. Gefüllt mit meinen Gedanken, meinen Stimmungsschwankungen, vielleicht auch meinen Aggressionen, die ich im Alltag immer mit mir rumschleppe, aber nie auslassen kann. Es ist manchmal echt schwer so viele Wörter im Kopf zu haben & diese dann nicht nieder zu schreiben. Manchmal schreib‘ ich sie auch in mein fancy retro Notizbuch – also so mit Bleistift auf Papier – hat echt Stil hab ich gehört. Doch ich denk‘ mir echt oft wie schade es ist, dass mir niemand drunter posten kann was für n‘ BS ich eigentlich verfasst hab. Genau deswegen bin ich hier, ich geschädigtes Social-Media-Opfer.

Ich mein gleich mal vorweg: Du musst ihn nicht lesen. Echt nicht. Ich würds‘ auch nicht tun an deiner Stelle. Falls du aber auch nicht um 2:45 Uhr nachts schlafen kannst & versuchst irgendwie produktiv zu sein, anstatt 100 Facebook-Videos in Endlosschleife zu sehen, dann lies dir doch durch, was ich hier so von mir gebe.

Hau rein. S.